Hausbesetzung – wieso überhaupt?

In letzter Zeit gab es wieder mehr Hausbesetzungen, und staatliche Massnahmen dagegen, diese wurde auch vermehrt in den Medien zitiert. Doch wieso kommen Menschen auf die Idee ein „fremdes“ Haus zu besetzen und darin zu leben? Mensch kann es sich sehr einfach machen und sagen, dass diese Menschen nur zu faul sind um zu arbeiten. Doch wie immer funktioniert ein so einfaches Denken nicht. Die Hintergründe reichen von reiner Wohnungsnot, bis zum Bedürfnis nach Kultur- und Freiraum.

Die grösste Gemeinsamkeit aller Hausbesetzungen ist, dass mensch sich nicht damit abfinden will, dass Hausbesitzer ihre Liegenschaften aus reiner wirtschaftlichen Profitgier leer stehen lassen. Sie stellen also ihren eigenen Profit, den sie unter anderem durch Spekulation erwirtschaften, über die Bedürfnisse anderer Menschen, die diesen Wohnraum brauchen, oder diesen nutzen möchten. Diese Situation, die im ganzen Westen auftritt, ist nach einem etwas genaueren Blick ein gut erkennbarer Auswuchs des Kapitalismus. An diesem Punkt angelangt stellt sich die Frage: Ist es legitim, dass jemand der nicht in diesem Haus wohnt, und nur durch die Aufwendung von Geld, oder einer Erbschaft dieses besitzt, bestimmen kann was mit diesem passiert? Ich sage da ganz klar, Nein!, und folge damit der Parole der Besetzer „Die Häuser denen, die drin wohnen!“
Die ganze bürgerliche Ideologie des Eigentums – mit Eigentum sind hier nicht Privatgegenstände, sondern Eigentum an Produktionsmitteln, lebenswichtigen Waren und natürlich an Häusern gemeint – führt zwangsläufig zu einer Konzentrierung von Kapital und Macht in den Händen von wenigen. Die direkte Folge ist die Bildung von zwei Klassen: die ausgebeutete Klasse der Lohnabhängigen und die ausbeutende Klasse der Kapitalisten. In Zeiten der Krise des Kapitalismus, in der wir uns befinden und die dadurch verursachte Vergrösserung der Lohn- und Vermögensschere, ist dies immer besser zu beobachten.

Dies führt folglich auch zu einer Zunahme von Besetzungen und staatlicher Repression dagegen, dies zeigt zum Beispiel der Angriff in Ostermundigen anfangs April, bei welchem vermummte Polizisten mit Gewalt in besetzte Häuser eingedrungen sind und die Bewohner auf brutalste Art und Weise schikaniert haben. Zu den besagten Methoden gehörten, das rechtlich kritische tragen Müssen von Augenbinden und das zerstören vom Privateigentum der Besetzer.
Dieses Vorgehen ist ein Versuch des bürgerlichen Staates, die Interessen der Kapitalistenklasse zu schützen, und die aufkeimenden Opposition gegen dieses mörderische System zu unterbinden, und den unausweichliche Kollaps heraus zu zögern.
Doch Hausbesetzungen sind nicht nur aus einer politischen Sichtweise wichtig, sondern auch als Kultur- und Freiraum Nutzung. In den grösseren AJZs, wie zum Beispiel der Reitschule hat sich eine ganz eigene Kultur entwickelt, die eine wichtige Bereicherung des Kulturmainstreams darstellt. Aber vor allem ist die Reitschule einer der wenigen Orte, in einer von Konsumsucht und Sexismus verdorbenen Gesellschaft, wo Jugendliche sich selbst ausleben können, egal wie ihre soziale Stellung, Herkunft oder ihr Geschlecht ist. In einer solchen Umgebung ohne Zwang kommen viele Leute aus sich heraus, und werden selbstbewusster und dazu motiviert selber die Welt zu analysieren und alles was als „normal“ gilt kritisch zu hinterfragen, und so auch die wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge zu sehen. Und genau eine solche motivierte soziale linke Jugend brauchen wir um den Kapitalismus zu überwinden. Venceremos!

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