offener Brief an die Burgergemeinde Bern

Der offene Brief wurde bereits übergeben und kann nicht mehr unterschrieben werden.

Burgergemeinde: Gesellschaftlicher Zusammenhalt und demokratische Mitbestimmung nur durch Auflösung!

Sehr geehrte Mitglieder der Burgergemeinde Bern

Mit grosser Besorgnis beobachten wir die fortwährende Existenz der Burgergemeinde Bern, einer Institution, die tief in antidemokratischen, veralteten Strukturen verwurzelt ist und sich dennoch als Förderin des gesellschaftlichen Zusammenhalts präsentiert.

Burgergemeinde als Widerspruch zur Mitbestimmung der Stadt-Berner*innen

Die Burgergemeinde Bern ist eine Personengemeinde, deren Mitgliedschaft auf Abstammung basiert (oder durch einen grösseren Beitrag und die richtigen Kontakte gekauft werden kann) und nicht auf dem Prinzip der Gleichheit aller Bürger*innen. Diese exklusive Mitgliedschaft widerspricht fundamental den demokratischen Grundsätzen, auf denen unsere heutige Gesellschaft aufbaut.

Klar ist, dass die Burgergemeinde für kulturfördernde, soziale oder klimaschützende Projekte gute Beiträge geleistet hat. Klar ist auch, dass sie beträchtliche Vermögenswerte, darunter einen Drittel des Bodens der Stadt Bern, besitzt. Und klar ist auch, dass die Burgergemeinde keiner legitimen demokratischen Kontrolle durch die Stadtberner Bevölkerung unterliegt. Wie die Ressourcen der Burgergemeinde eingesetzt werden, welche Projekte sie unterstützt und welchen Projekten sie ihre Unterstützung entzieht, hängt in grossen Teilen von der Willkür einer kleinen Elite ab.

Zudem ist die Geschichte der Burgergemeinde von personellen Verflechtungen mit konservativen Männerbünden geprägt, die bis heute Einfluss auf die politische Ausrichtung der Institution und auf Ämtervergaben innerhalb und ausserhalb der Burgergemeinde haben. Diese Netzwerke fördern eine Kultur der Exklusivität und der Machtkonzentration, die in einer offenen demokratischen Gesellschaft keinen Platz haben sollte.

Heuchlerischer Ideenwettbewerb

Vor diesem Hintergrund erscheint der von Ihnen lancierte Ideenwettbewerb «Inspiration», der Vorschläge zur Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts sucht, als zutiefst heuchlerisch. Wie kann eine Institution, die selbst auf Ausgrenzung und Ungleichheit basiert, glaubhaft Projekte zur Förderung von Zusammenhalt und Inklusion unterstützen?

Dieser Wettbewerb wirkt wie ein Versuch, das Image der Burgergemeinde aufzupolieren, ohne sich ernsthaft mit den eigenen strukturellen Defiziten auseinanderzusetzen. Statt symbolischer Aktionen bedarf es einer Demokratisierung der Burgergemeinde, beziehungsweise die Fusionierung mit der Einwohner*innengemeinde Bern und die Überführung der Vermögenswerte der Burgergemeinde in die der Einwohner*innengemeinde.

Aus den oben genannten Gründen bitten wir Sie höflich darum, öffentlich auf die untenstehenden Fragen zu antworten:

  • Inwiefern versteht sich die Burgergemeinde als demokratische oder demokratiefördernde Institution? Wie ist dieses Verständnis vereinbar mit den zu erfüllenden Anforderungen, um Teil der Burgergemeinde zu sein?
  • Welche Rolle nahm die Burgergemeinde bei der Erfüllung des 2023 durch den Stadtrat überwiesenen Postulats 2018.SR.000148 zur Erarbeitung einer Strategie zur Fusionierung der Einwohner*innengemeinde und der Burgergemeinde ein?
  • Welchen Spielraum hätte die Burgergemeinde, um sich dafür einzusetzen, die Rahmenbedingungen für eine Fusionierung zu schaffen? Wird dieser Spielraum aktuell ausgenutzt?
  • Wie legitimiert die Burgergemeinde heute ihre Existenz? Welche Aufgaben übernimmt sie, die die Einwohner*innengemeinde nach einer Fusionierung nicht übernehmen könnte?

Die Burgergemeinde Bern verkörpert ein Relikt, das auf Erbprivilegien und Vermögensbesitz gründet. In einer Stadt Bern, die Solidarität, Gleichheit und echte Mitbestimmung wertschätzt, kann dieses Erb-Patriziat keinen Platz haben – es gilt, diese institutionellen Exklusionsmechanismen abzuschaffen.

Unterzeichnet,

Juso Stadt Bern

Alternative Linke Bern

Grüne Bündnis Bern

Jungen Alternativen JA!

Kommunistische Jugend Bern

Partei der Arbeit Bern

SP Stadt Bern

Klimastreik Bern

Sowie:

Alexander Zeller, Kassier SP Bümpliz Bethlehem

Alexander Zürcher, Arbeiter

Andrea Balmer

Andreas Schneider

Andri Meyer

Andrina Imhof

Angelica Augustin

Anuschka Berger

Arsena Odermatt

Carlo Mordasini

Charlotte Sophia Günther, Präsidentin JUSO Stadt Bern

Clara Juliette

Conrad Krausche

David Rietzler, Vorstandsmitglied JUSO Stadt Bern

Dominik Neuhaus, Vorstand JUSO Stadt Bern

Franz-Dominik Imhof

Fredi Hänni

Halua Pinto de Magalhães, Alt-Stadtrat

Kuba Walczak

Jan Wettstein

Jana Lou Galliker

Jonas Zihlmann

Julian Spycher

Juval Jost

Kastriot Emini

Laura Bachofner

Lisa Camenzind

Lotte Jutzeler

Luis von Gunten

Lukas Achermann

Margret Feller

Michael Lin

Mike Camastra

Mirjam Hostetmann, Präsidentin JUSO Schweiz

Mohamed Abdirahim, Alt-Stadtrat JUSO

Nadine Aeschlimann, Vorstand JUSO Stadt Bern

Nastasia Signer

Nicolas Noé Peters

Nicole Gurtner

Patric Burkhart

Paula Mühlethaler

Raissa Cezar

Rebecka Domig, Kunsthistorikerin, freie Autorin und Kuratorin

Rebeka Siegenthaler

Reto Pfister

Ron Mule, Vorstand JUSO Stadt Bern

Sabine Furrer

Samirah De Gäfilippks

Sarah Egli, Naturwissenschaftlerin BLV

Sofia Fisch, Stadtratsmitlied JUSO

Tamara Lanz

Thembela Daniele Vuadens

Tobias Kuchen

Toni Jutzeler

Vera Diener, Vorstand JUSO Mittelland-Süd

Youri Zwahlen

Zoé Oberer

(45 weitere Unterzeichner*innen haben einer Veröffentlichung ihrer Namen nicht zugestimmt. Sie wurden der Burgergemeinde übermittelt.)